Formen von Menschenhandel und Ausbeutung

Menschen werden für folgende Zwecke gehandelt:

a)       zur sexuellen Ausbeutung

b)      zur Ausbeutung der Arbeitskraft oder

c)       zur Entnahme eines Körperorgans.

 

Von den weltweit gehandelten Menschen werden gemäss UNODC (United Nations Office on Drugs and Crime) fast 60% sexuell ausgebeutet, über 30% erfährt Ausbeutung ihrer Arbeitskraft und knapp 10% wird auf andere Weise ausgebeutet.

Menschenhändler machen sich die Armut oder Notlage von Menschen zunutze, um sie mit falschen Versprechen über Arbeits- oder Heiratsmöglichkeiten anzuwerben. Am Zielort werden die Opfer durch Drohung, Gewalt oder Schuldknechtschaft (z.B. zum Abzahlen ihrer Reiseschulden) in ein Abhängigkeitsverhältnis gebracht und ausgebeutet. 

Die häufigsten Formen von Menschenhandel und Ausbeutung in der Schweiz sind:

Menschenhandel – Förderung der Prostitution / Zwangsprostitution

Minderjährige Personen (unter 18 Jahre alt) in die Prostitution zu führen, ist strafbar.

Strafbar macht sich ebenfalls: Wer die Handlungsfreiheit einer Person, die in der Prostitution arbeitet, einschränkt und festlegt, wie sie ihrer Tätigkeit im Einzelnen nachzugehen hat, oder ungewünschte Praktiken erzwingt. Wer einer Person eine Heirat oder Arbeitsstelle verspricht, um sie nach der Ankunft in die Prostitution zu zwingen. 

Loverboys

«Loverboys» sind Menschenhändler und Zuhälter (oft selbst noch Teenager), die minderjährigen Mädchen und Jungen über soziale Medien erst einmal die grosse Liebe vorgaukeln. Sobald eine Abhängigkeit erreicht ist, führt der Loverboy sein Opfer Schritt für Schritt in die Prostitution oder Kriminalität ein. Das Alter der Betroffenen liegt zwischen 12–18 Jahren, kann aber auch junge Erwachsene treffen. 
Davon betroffen sind sowohl AusländerInnen als auch SchweizerInnen. 

Zwangsarbeit und Arbeitsausbeutung

Opfern von Arbeitsausbeutung ist manchmal nicht bewusst, dass sie ausgebeutet werden. Nicht nur der niedrige Lohn, sondern auch fehlende Dokumente und Arbeitsverträge oder ein isolierter Arbeitsplatz können Hinweise auf eine Ausbeutung sein. Die Person weiss oft nicht genau, wo sie ist und muss der angeblichen Vermittlungsagentur hohe Beträge an fiktiven Schulden zurückzahlen.

Organisierte Bettelei 

Regelmässig treten in Schweizer Städten ausländische Kinder, Jugendliche und Erwachsene als Bettelnde und als Strassenmusikanten in Erscheinung oder sie ziehen in ländlichen Gegenden von Haus zu Haus, um zu betteln; mitunter verüben sie auch Diebstähle.

Von Hintermännern wird den Bettlern das gesammelte Geld regelmässig abgenommen. Die Bettler erhalten lediglich Essen, Trinken und einen Schlafplatz. Es ist für Betroffene schwierig, alleine da herauszukommen.

Zwangsheirat

Die freie Wahl des Ehepartners oder der Ehepartnerin ist ein Menschenrecht. Dennoch werden auch in der Schweiz Frauen und Männer gegen ihren Willen zu Heirat und Ehe gezwungen. Zwangsheirat ist eine Menschenrechtsverletzung, die in verwobene verwandtschaftliche und transnationale Zusammenhänge eingebunden ist. Zwangsheirat ist in der Schweiz strafbar.